LGBT REFUGEES


Viele lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, inter*geschlechtliche und/oder queere Geflüchtete kommen aus Staaten, in denen ihnen Gewalt, soziale Ausgrenzung, Zwangsverheiratung, Gefängnisstrafen, Folter oder gar die Todesstrafe drohen.


Die Diskriminierung von LGBTTIQ*-Lebensformen gehört zum gesellschaftlichen Alltag. Queere Geflüchtete sind einem erhöhten Risiko von Übergriffen und Diskriminierungen aller Art ausgesetzt, sei es auf dem Fluchtweg oder – hier angekommen – in Kontakt mit den zuständigen Behörden und Dolmetscher_innen, im Alltag sowie in den Unterkünften.


Wir hoffen, dass wir Geflüchteten mit Homosexuellen Hintergrund,

Haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter, Helfer_innen und Wegbegleiter_innen

 in der Flüchtlingshilfe, mit dieser Homepage eine Orientierung geben können.

LGBTTIQ*-Geflüchtete

sollen endlich 

offen und ohne

Angst leben können!

In Deutschland und überall!

Endlich sicher: Gemeinsam stark machen für den Schutz von LSBTI* Geflüchteten


Queer Refugees

Das Asylverfahren als LSBTI*


Sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität sind in Deutschland Ihre Privatsache.

Der Staat muss Ihre Ausrichtung respektieren und schützen.

Das heißt, homosexuelle Handlungen zwischen zwei Erwachsenen sind kein Verbrechen,

wenn beide einverstanden sind. 

Seit 1. Oktober 2017 ist es nun in Deutschland für gleichgeschlechtliche Paare möglich, zu heiraten. Bis dahin konnten sie nur eine eingetragene Lebenspartnerschaft schließen. Sie hatten dadurch allerdings nicht die gleichen Rechte.


Die Abkürzungen 

LGBT und LGBTTIQ* 

sind als Oberbegriff für 

queere Menschen 

weltweit verbreitet.



Lesbian & Gay

Bisexual

Transsexual

Transgender

Intersexuelle


 

Es ist vorsichtig geschätzt davon auszugehen,

dass mindestens 5% der Flüchtlinge eine LGBTI*-Identität haben. 


Hier eine Teilübersicht zum Flüchtlingskreis LGBTTIQ*

 

LGBT-­Flüchtlinge kommen meist aus Staaten, in denen ihnen Zwangsverheiratung, Gefängnisstrafen, Folter oder gar die Todesstrafe drohen.

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In den Flüchtlingsunterkünften kann es ein Problem geben,

wenn Geflüchtete einen LGBT-Hintergrund haben.

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Viele Flüchtlinge mit LGBT-­Hintergrund benötigen Orientierung und Informationen.

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LGBT-Flüchtlinge können nach Bekanntwerden ihrer sexuellen Identität

in Erst-und Gemeinschaftsunterkünften homophoben oder transphoben Anfeindungen durch Mitbewohner_innen ausgesetzt sein.

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LGBT-Flüchtlingen fällt es aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen oftmals sehr schwer, über ihre sexuellen Identität und ihre Verfolgung zu sprechen. 

Dies kann negative Auswirkungen auf ein Asylverfahren haben.

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Verfolgung aufgrund der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität

ist laut der EU-Qualifikationsrichtlinie 2011/95/EU ein anerkannter Asyl Grund.

 Der EuGH hat die Rechte von LSBTTI* gestärkt. So hat er die frühere Praxis verworfen, das Asylgesuch mit der Begründung abzulehnen, die Asylbewerbenden brauchten keine Verfolgung zu befürchten, wenn sie sich nicht „outen“ und nicht offen leben. Detaillierte Befragungen zu sexuellen Praktiken, psychologische Gutachten und medizinische Tests sowie das Einbeziehen von intimen Fotos sind nach EuGH-Rechtsprechung unzulässig. Wenn es ein Flüchtling nicht schafft, sich gleich bei der ersten Anhörung zu outen, darf das nicht mehr dazu führen, dass der angegebene Fluchtgrund als „gesteigertes Vorbringen“ abgetan wird.


ASYL UND HOMOSEXUALITÄT



Informationen für die Anhörung von LGBTI* Geflüchtete

!! Diese Informationen können eine Anhörungsvorbereitung durch einen Rechtsanwalt/eine Rechtsanwältin oder eine Beratungsstelle NICHT ersetzen !!

 

Lassen Sie sich unbedingt vor der Anhörung persönlich beraten!

 

Die Anhörung ist der wichtigste Teil im Asylverfahren und die einzige Möglichkeit, die eigenen Fluchtgründe vorzutragen. Eine intensive Vorbereitung ist unbedingt notwendig. Einigen Menschen fällt es schwer, über ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität zu sprechen. Sie sind es nicht gewöhnt, offen darüber zu sprechen, erst recht nicht vor Fremden.

Für einige ist es schwer, ihre eigene sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität zu akzeptieren. Dennoch ist es wichtig, dass Sie alle Ihre Gründe in der Anhörung einbringen. Versuchen Sie sich, mit der Hilfe von Beratungsstellen auf die Anhörung vorzubereiten. Sie haben das Recht, eine Begleitperson zur Anhörung mitzunehmen.

 

Dies kann eine zusätzliche Unterstützung sein und Ihnen ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.  

Der Film ersetzt keine ausführliche rechtliche Beratung und ist eine Erstinformation ! !


Homosexualität im Gesetz

Homosexuelle Handlungen waren über Jahrzehnte nach deutschem Gesetz verboten.

Die Verfolgung von LGBT Menschen im 20. Jahrhundert basierte auf Paragraph 175 des deutschen Strafgesetzbuchs. Seit den 1970er Jahren wurde dieser Abschnitt nicht mehr vollständig angewendet. Abgeschafft wurde der Paragraph 175 letztendlich im Jahr 1994. Seitdem spricht der deutsche Staat LGBT Menschen mehr Rechte zu.

Weil sie oft Gewalt, Diskriminierung und sexueller Belästigung ausgesetzt sind, erhalten sie nach dem deutschen allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) (auch Antidiskriminierungsgesetz genannt) besonderen Schutz.

Das Gesetz garantiert gleiche Rechte für alle deutschen Bürger unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. Es schützt auch Menschen, die wegen Rasse, ethnischer Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung oder des Alters diskriminiert werden. Angewandt wird das Gesetz in allen Lebensbereichen, also zum Beispiel am Arbeitsplatz, bei Dienstleistungen oder im Militär.

Ehe und Zivilrecht

Seit 1. Oktober. 2017 können Sie als gleichgeschlechtliches Paar in Deutschland auch heiraten (§ 1353 Abs. 1 Satz 1 BGB). Vorher war es nur möglich eine Lebenspartnerschaft einzugehen. Dies ist nun nicht mehr möglich.

Ihre Staatsangehörigkeit und die Ihres Partners spielt für die Eheschließung keine Rolle. Auch brauchen Sie keinen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt in Deutschland zu haben. Sind Sie bereits verheiratet, dann können Sie den gleichen Partner trotzdem in Deutschland noch einmal heiraten. Die frühere Ehe braucht nicht aufgehoben zu werden. Die zweite Eheschließung in Deutschland kann sinnvoll sein, wenn Sie in Deutschland leben, da auf Ihre Ehe dann deutsches Recht anwendbar ist.

Grundsätzlich kann laut § 1304 BGB eine Ehe nicht eingehen, wer geschäftsunfähig ist (das sind zum Beispiel Personen, die durch krankhafte Störung keine freie Willensbestimmung haben). Außerdem dürfen nur Volljährige (Personen ab 18 Jahren) eine Ehe eingehen. Für Personen zwischen 16 und 18 Jahren kann das Familiengericht Befreiung erteilen (§ 1303 Abs. 2 bis 4 BGB). Verwandte in gerader Linie, sowie Geschwister und Stiefgeschwister dürfen in Deutschland keine Ehe schließen. Wenn zwei Personen offenkundig eine Scheinehe eingehen wollen, muss der Standesbeamte seine Mitwirkung verweigern.

Rechte von Transgender und Intersexuellen

Wenn Sie sich nicht dem Geschlecht zugehörig fühlen, dem Sie bei der Geburt zugeschrieben wurden, haben Sie in Deutschland das Recht Ihre Dokumente und Ihren Körpern zu ändern. Sie können eine Umwandlung von Mann zur Frau oder von Frau zu Mann machen. Der Vorgang – hormonelle Behandlung und manchmal Operationen - dauert normalerweise mehrere Monate. Seit 2011 können Sie Ihr Geschlecht in offiziellen Dokumenten ändern lassen, ohne vorher eine Umwandlung gemacht zu haben oder eine zu planen.

In vielen Ländern wird Kindern ohne eindeutig weiblichen oder männlichen Merkmalen trotzdem nach der Geburt ein Geschlecht zugeschrieben. In Deutschland müssen Eltern Ihren Kindern seit 2013 in der Geburtsurkunde kein Geschlecht zuschreiben. Das Kind kann dann später selbst entscheiden.