Coming-out – Was ist das?

Das Coming-out umfasst den Weg von der ersten Ahnung, über das Wissen, hin zur Akzeptanz der eigenen romantischen und/oder sexuellen Orientierung (z.B. pansexuell, lesbisch, schwul, aromantisch) und/oder Geschlechtsidentität (z.B. trans) Auch das Informieren des Umfelds (Familie, Freund_innen, Kolleg_innen etc.) gehört dazu. Man spricht dann davon, dass sich jemand „outet“ oder „geoutet hat“.

Es werden zwei Arten des Coming-outs unterschieden, das innere und das äussere Coming-out. Dabei durchläuft ein Mensch verschiedene Phasen.

Wir erzählen dir zuerst mehr über das Coming-out in Bezug auf die sexuelle und romantische Orientierung (z.B. lesbisch, pansexuell, schwul, asexuell) und danach über das von Geschlechtsidentität.

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Coming-out – sexuelle und romantische Orientierung

Das innere Coming-out

Das innere Coming-out ist ein Prozess, bei dem es darum geht, sich bewusst zu werden, von welchem Geschlecht man sich angezogen fühlt und die Gewissheit zu erlangen, lesbisch, schwul, bisexuell, aromantisch, pansexuell oder sonst irgendwie queer zu sein. Es kann sehr gut sein, dass du anfangs deine sexuelle oder romantische Orientierung nicht akzeptieren kannst und dadurch Unsicherheit und Ängste auftreten. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass wir in einer Gesellschaft aufwachsen, in der Heterosexualität, also die Liebe zwischen Mann und Frau, oft noch als Normalität bezeichnet wird. In solch einer Welt ist es nicht ganz einfach, sich einzugestehen, dass man anders ist als die Meisten in seinem Umfeld. Nimm dir jedenfalls so viel Zeit, wie du brauchst und setze dich nicht unter Druck. Sobald du dein Anders-Sein akzeptiert hast, wirst du feststellen, dass es ganz „normal“ ist, anders zu sein.

Sexuelle und romantische Orientierungen können sehr vielfältig sein. Es kann sein, dass du denkst, dass deine Gefühle und diese Art von Anziehung nicht sein können. Doch es kann sein, denn du bist so und du bist wertvoll. Und es gibt andere Menschen die genauso oder ähnlich fühlen wie du.

Das äußere Coming-out

Mit dem äußeren Coming-out ist gemeint, sich der Öffentlichkeit so zu zeigen, wie man wirklich ist und sich nicht mehr verstecken zu müssen. Das heißt, den Menschen in deinem nahen Umfeld, z.B. deinen Eltern, deinen Freund_innen, der Lehrperson, mitzuteilen, auf welches Geschlecht oder welche Geschlechter du stehst. Das kann zum Beispiel damit beginnen, dass du dich zuerst an eine Vertrauensperson (beste_r Freund_in etc.) wendest oder du dich mit einer Person triffst, die auch so oder ähnlich fühlt wie du, um dich mit ihr auszutauschen. Ein Coming-out ist sehr befreiend. Mit der Zeit fängst du an, dein Leben als den Menschen zu leben, der du wirklich bist.

Das Coming-out, ein individueller Prozess

Das innere und äußere Coming-out sind eng miteinander verbunden und verflochten. Der Ablauf kann von Mensch zu Mensch anders sein. Auch wie lange dieser Prozess dauert, ist total unterschiedlich. Von einigen Monaten bis hin zu einigen Jahren, alles ist möglich. Ebenso ist das Coming-out nicht an ein bestimmtes Alter gebunden, es kann in jedem Alter stattfinden. Du selbst bestimmst, wann, wie und wem du es sagen willst. Keiner hat das Recht, dich zu etwas zu drängen, was du nicht willst!

Coming-out – Geschlechtsidentität

Das innere Coming-out

Die meisten Menschen gehen noch immer davon aus, dass es zwei klar getrennte Geschlechter gibt. Alles, was in dieses Bild nicht hineinpasst, ist für viele nur schwer vorstellbar. Trans Menschen geht es am Anfang oft nicht anders.

Manche wissen schon als kleine Kinder ganz klar, wer sie sind und teilen das auch deutlich mit. Andere spüren zwar, dass sie sich mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, nicht wohl fühlen, wissen aber noch nicht, was sie mit diesem Gefühl anfangen sollen. Es braucht Zeit, die eigene Identität zu finden.

Dazu kommt, dass eigentlich niemand genau weiß, was ein Mädchen ist, was ein Junge ist oder was es bedeutet, keins von beiden zu sein. Menschen sind verschieden und Geschlechtsidentität ist von außen nicht erkennbar.

Anfangs suchen viele trans Menschen nach Beweisen und Begründungen. Trans Frauen erzählen dann etwa, dass sie immer lieber mit Mädchen gespielt haben oder gern Handarbeiten machten. Diese Dinge haben aber nichts mit Geschlechtsidentität zu tun. Schließlich gibt es auch Jungs, die so etwas gern machen und Mädchen, die lieber mit dem Schraubenschlüssel unter dem Motorrad liegen.

Das äußere Coming-out

Jede trans Person hat ihren eigenen Weg und ihr eigenes Tempo, wann und bei wem sie sich outet. Mit dem Coming-out gibst du den Leuten um dich herum die Chance, zu sehen, wer du wirklich bist. „Nennt mich bitte nicht mehr Sarah, ich bin Tom! Und sagt „er“, wenn ihr über mich redet.“ Dem Umfeld fällt diese Umstellung meist nicht leicht, vor allem Eltern können sehr hartnäckig sein. Für das Coming-out in der Schule oder Ausbildung empfiehlt es sich, einen guten Plan zu machen und Unterstützung zu suchen. Das Schöne am Coming-out ist, dass du dich nicht mehr verstecken musst und endlich die Kleider und Frisuren tragen kannst, die zu deinem wirklichen Geschlecht passen.

Verschiedenste Wege, damit umzugehen

Einige trans Menschen entscheiden sich dafür, nach der Transition vorwiegend ungeoutet zu leben. „Stealth leben“ wird das auch genannt. Wenn niemand weiß, dass du trans bist, kann dich auch niemand deswegen schräg anschauen, angreifen oder diskriminieren. Der Nachteil ist, dass du unter Umständen immer wieder in Situationen kommst, in denen du Angst hast, dass es doch herauskommt. Gegenüber medizinischem Personal müssen sich aber auch stealth lebende trans Menschen manchmal outen. Und dann gibt es noch trans Menschen, die freiwillig oder unfreiwillig immer geoutet sind, weil man ihnen ihr trans-Sein ansieht. Mit der Zeit wirst du merken, bei wem du dich outen möchtest und bei wem nicht.